Nachrichten Hauptschule Hiltrup Westfalenstraße 199 48165 Münster 02501-98530 hauptschule-hiltrup@stadt-muenster.de aus www.westfaelische-nachrichten.de Miteinander im Gespräch Schüler der Hiltruper Hauptschule stellten ihre Wünsche und Träume für die Zukunft vor. Politiker wie Jürgen Ohm (l.) und der Landtagsabgeordnete Josef Rickfelder (beide CDU) hörten aufmerksam zu.Foto: (gro) Münster-Hiltrup - Die Gründe können vielfältig sein, warum Gespräche zwischen Erwachsenen und Jugendlichen nicht funktionieren wollen. Oft genug haben Jugendliche das Gefühl, gar nicht ernst genommen zu werden. „Auch unsere Meinung zählt“, rief Charlene in die Aula der Hauptschule Hiltrup hinein, und es schwang eine Portion Trotz mit. „Hört endlich zu!“ Die, die da standen, brauchten diese deutliche Aufforderung gar nicht. Sie waren ja gekommen, um zu zuhören. Sie wollten mit Jugendlichen ins Gespräch kommen, um über deren Zukunft zu sprechen, ihre Visionen und Träume zu hören, aber auch von ihren Verletzungen zu erfahren, die sie in ihren jungen Jahren bereits davongetragen haben. Es war bereits der zweite Anlauf, über die „Generation Zukunft“ ins Gespräch zu kommen, einem bemerkenswerten landesweiten Projekt, bei dem sich Jugendliche mit ihren Zukunftsvorstellungen auseinandersetzen. Hier in Hiltrup war die Aktion vom Evangelischen Jugendzentrum und dem Verein „Jugendhilfe direkt“ organisiert worden. Der erste Versuch des Dialogs war ein Schlag ins Wasser. Der Einladung war kaum jemand gefolgt. Er habe nichts davon gewusst, versicherte später Ratsherr Jürgen Ohm und setzte alle Hebel in Bewegung für einen zweiten Versuch. Dazu lud er auch den Landtagsabgeordneten Josef Rickfelder (CDU) ein, der seit langen Jahren Jugendarbeit in Münster politisch begleitet. „Traut euch“, rief Rickfelder den Jugendlichen zu - und unversehens wurde er bombardiert mit Fragen der politischen Mitbestimmung. Wählen mit 16 Jahren ist für Jugendlichen ebenso ein Thema wie der Wunsch, bereits mit 16 in die Diskothek gehen zu dürfen. Die beiden Politiker stellten den Jugendrat der Stadt Münster vor, in dem sich Jugendliche engagieren und tatsächlich in der Lokalpolitik mitsprechen dürfen. Justin, Matthias und Lisa hatten ganz andere Sorgen, die sie gegenüber Bezirksbürgermeister Joachim Schmidt los werden wollten. Sie sind Sprayer und suchen Flächen, auf denen sie ihrem Hobby legal nachgehen können. Am Hawerkamp, eingeschränkt auch bei Titus Outlet, sei das möglich, sagten sie, aber in Hiltrup keine Chance. Immer wieder interessierte Nachfragen gab es zu den lebensgroßen Figuren, die die Jugendlichen gestaltet hatten. Kevin und Nadir hatten sich dem Problem kultureller Unterschiede gewidmet. „Ich lebe in zwei Welten“, war bei ihnen zu lesen. In den persönlichen Gesprächen gab es viel Raum für besseres Kennenlernen. Charlene, die zu Beginn mit markigen Worten aufgetreten war, erklärte, warum sie oftmals provoziere. „Mit Bitten und mit bloßer Freundlichkeit“, so ihre Erfahrung, werde man häufig bloß abgespeist. Und dann erzählte sie ihren Werdegang, wie sie zunächst auf der Realschule und dann wegen zu vieler Fehlstunden die Schule verlassen musste. Als befreiend habe sie es empfunden, dass Schulleiterin Ute Rolink bei dem Aufnahmegespräch nicht sofort auf ihren Fehlstunden herumgeritten habe. Gelobt habe sie, dass sie in vielen Fächern durchaus bemerkenswert gute Leistungen habe - trotz der vielen Fehlstunden. „Ich habe eine neue Chance bekommen“, hat die Schülerin erkannt. „Dazu sind wir hier da“, folgt eine weitere Ermunterung der Schulleiterin „Wir wollen nicht nur auf die Schwächen gucken, sondern vor allem auf die Stärken.“ Josef Rickfelder, der Landtagsabgeordnete, nimmt zwei Botschaften mit nach Düsseldorf: „Wir müssen viel mehr über die pädagogische Arbeit und über die Ausstattung der Schulen mit mehr Lehrern sprechen - statt andauernd über Schulsysteme.“ Zum anderen freut er sich auf ein Wiedersehen, wenn das Projekt „Generation Zukunft“ im Landtag zu sehen ist. VON MICHAEL GROTTENDIECK, HILTRUP aus www.westfaelische-nachrichten.de